13. Schau- und Leistungspflügen an goldenem Herbsttag

Lokalmatador Ulrich Reinicke aus Drohndorf zieht seine Furche. (BILD: Frank Gehrmann)
Beim 13. Schau- und Leistungspflügen des Reit- und Fahrvereins Mehringen wetteiferten am Wochenende 13 Gespanne um die höchste Wertung. Das Schau- und Leistungspflügen begeistert die Freunde der Landwirtschaft, die für die praktische Arbeit schon längst auf moderne Technik mit weit mehr PS setzen.
Mehringen/MZ. „Die erste Furche ist immer maßgebend, wenn die stimmt, klappt’s mit dem Gesamtbild!“ Diese Kurzeinschätzung eines erfahrenen Beobachters der idyllischen Szenerie auf einem Ackerstück oberhalb Frecklebens, brachte es am Sonntagvormittag auf den Punkt.
Beim nunmehr 13. Schau- und Leistungspflügen des Reit- und Fahrvereins Mehringen gingen wieder stolze 13 Gespanne mit ein, zwei und sogar drei PS und ein oder zwei MS (MS steht hier analog für Menschenstärke und ist gleichbedeutend mit Gespannführer) an den Start und wetteiferten um das beste Pflugbild und die höchste Wertung der Jury.
Die Wetterbedingungen - strahlender Sonnenschein, frischer Wind, mal von vorn und dann von hinten - passten und boten allen Wettkampfteilnehmern faire Bedingungen. Anders als vor 14 Tagen, als der ursprüngliche Termin wegen zu nassen Bodens verschoben werden musste. Genauso wie die vorab zugeloste Strecke, hier eine Parzelle von jeweils zehn Mal 40 Metern, auf einem wieder vom Landwirtschaftsbetrieb Spanjer bereitgestellten Acker am Leegerweg.
Vor der Startaufstellung und nach der namentlichen Vorstellung der Teams aus Ross und, nein, nicht Reiter, sondern Führer, gab es ein kurzes Warm up der Gespanne. So stellten sich Angie und Alina, Ulrike und Undine, Lena und Lolita oder auch das einzige Dreiergespann aus Stine, Shakira und Dantes und ihre Führer zunächst vor und zogen dann probehalber einige Furchen, um auf Betriebstemperatur zu kommen.
Dann ging es um das beste Ebenmaß, die Ideallinie, den deutlich erkennbaren Furchenkamm bei gleichmäßiger Einhaltung einer geforderten Furchentiefe von 18 Zentimetern. Zahlreiche Zuschauer und die Wertungsrichter hatten ein wachsames Auge darauf. Erstmals konnten die Gäste per Los bis kurz vor Wettbewerbsende auf ihren Favoriten wetten und auf das eigene Glück bei der anschließenden Auslosung hoffen.
Als dritter Sieger machte sich Sandro Zieschang vom Acker
Die am Ende geschlossenste Mannschaftsleistung von Tier, Mensch und Pflugtechnik und die wohl stärkste Tagesform bot bei der 2013er Auflage in Freckleben der im Vorjahr noch knapp geschlagene Walter Heuer mit seinen Haflingern Stern und Starboy aus Kalbe/Milde. Er hatte sich tags zuvor schon den Titel bei der Thüringer Landesmeisterschaft im Leistungspflügen geholt. Diesmal also drehte er den Spieß um und schnappte sich den Wanderpokal von Vorjahressieger Rainer Rutsche mit Angie und Alina aus Magdeburg, dem amtierenden Vizemeister von Sachsen-Anhalt, der vor einem Monat in Flechtingen ermittelt worden war. Als dritter Sieger machte sich Sandro Zieschang vom Acker, um im Bild zu bleiben. Er war zum ersten Mal in Freckleben dabei und hatte dafür die mit 233 Kilometer längste Anreise aus der Nähe von Bautzen auf sich genommen.
Überhaupt, der Wettbewerb entwickelt sich zunehmend zu einer sportlichen Herausforderung. Lokalmatadoren treten kaum noch in Konkurrenz zu den reisenden Semiprofis. Nur Ulrich Reinicke aus Drohndorf mit seinen drei Kleinpferden ging erneut an den Start. Auch eine Frau, Silvia Kirschner aus Thüringen, stemmte sich mit hohem körperlichen Einsatz und ihrem Pferdegespann gegen den Mutterboden, um ihn ästhetisch aufzulockern. Denn, daran sei auch erinnert, das Pflügen dient der Menschheit seit beinahe 2000 Jahren beim Ackerbau zum Leben und braucht Wissen, Kraft, Geschick und Erfahrung.
Landwirtschaft setzt längst auf moderne Technik mit mehr PS
Das Schau- und Leistungspflügen begeistert die Freunde der Landwirtschaft, die für die praktische Arbeit schon längst auf moderne Technik mit weit mehr PS setzen. Es hat seinen besonderen Reiz entwickelt, weiß Cheforganisator Wolfram Kiefer und freut sich zu Recht über die gelungene Veranstaltung. Auch die teilnehmenden Pferde mag es gefreut haben ob des Sacks Hafer für jedes von ihnen; einen Zentner, das sind 50 Kilogramm, sponserte Landwirt Werner Spanjer obendrauf.
Mitteldeutsche Zeitung 29.09.2013 19:08 Uhr von Marianne Bothe