Badewanne verdrängt Tafelkreide
Mit Schläuchen wurde versucht, das Wasser vom Dach der Mehringer Grundschule abzuleiten. Ohne Erfolg. Der Unterricht musste nach Aschersleben verlegt werden. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
ASCHERSLEBEN/MZ. Etliche Wassereimer und alte Blechwannen zieren zur Zeit den Flur und die Klassenräume der Grundschule Mehringen. Kein Start für ein Wasserprojekt der Schüler, sondern Schmelzwasser ist durch das undichte Dach in Strömen geflossen. Unterricht ist hier nun nicht mehr möglich. Und so sind die 74 Mädchen und Jungen mit ihren Lehrern nach den Ferien erst einmal in die Ascherslebener Grundschule Pfeilergraben umgezogen.
"Ich war in den Ferien fast jeden Tag in der Schule. Natürlich war der Wasserschaden erst einmal ein riesiger Schock für uns. Doch in jedem Ende steckt auch ein neuer Anfang", sagt Silvia Wollmann, Schulleiterin der Mehringer Grundschule. Sie sei sehr froh, dass die Stadt Aschersleben als Träger der Schule so schnell, unkompliziert und vor allem gut durchdacht eine Lösung gefunden hat. "Unsere Schüler aus Drohndorf und Freckleben waren sowieso mit dem Bus unterwegs, einen zweiten Bus gab es nun für die Mehringer Schüler. Wir sind in Aschersleben sehr gut aufgenommen worden", so die Schulleiterin weiter.
"Das Zusammensein ist kein Problem. Allerdings war die Koordination nicht einfach. Denn wir haben ja nicht einfach so vier Klassenräume über. So wird jetzt der Horttrakt in den Vormittagsstunden von den Mehringer Kindern genutzt. Das ist eine einfache Lösung. Dort können die Mehringer in Ruhe lernen und auch unsere Schüler werden nicht in ihrem Lernalltag gestört", ergänzt die Schulleiterin der Ascherslebener Grundschule, Simone Brandt. Ab 13 Uhr, wenn die Kinder mit den Schulbussen wieder nach Hause fahren, beginne dann dort der normale Hortalltag. Auch die Essensversorgung sowie den Schulsport habe man gut unter einen Hut gebracht.
Während die Mädchen und Jungen der Mehringer Grundschule nun im Pfeilergraben in Ruhe lernen können, heißt es in der Mehringer Grundschule Umzugskisten packen. Denn sämtliche Unterrichtsmaterialien müssen in die Adam-Olearius-Schule gebracht werden. Denn ab kommenden Montag heißt es für die Schüler erneut umziehen. "Die Grundschule Pfeilergraben ist nur eine vorrübergehende Lösung. Bis die Schule wieder bezugsfertig ist, werden wir in der Adam-Olearius-Schule bleiben. Das kann bis zu den Sommerferien dauern", vermutet Silvia Wollmann. "Nach dem ersten Szenario könnten die Schüler im September wieder in ihre Schule zurück. Sollte der Schaden allerdings größer sein als bisher angenommen, kann es auch noch länger dauern", bestätigt der Amtsleiter Bildung, Steffen Schütze, die Vermutung der Schulleiterin.
"Im städtischen Haushalt sind für die Dachsanierung in diesem Jahr 200 000 Euro eingestellt. Ob diese reichen, ist noch offen und hängt im Wesentlichen von einem Gutachten ab. Dasselbe gilt auch für die Bauzeit", erklärt die Pressesprecherin der Stadt Aschersleben, Anke Lehmann, auf Nachfrage der Mitteldeutschen Zeitung. Das Hochbauamt erteile noch in dieser Woche den Auftrag, ein Gutachten über die Höhe und das Ausmaß des Schadens zu erstellen. Davon hänge auch die weitere Vorgehensweise ab. Im Augenblick werden die Möbel aus der Schule geräumt, damit diese die Arbeiten der Gutachter nicht behindern. "Noch bevor es zu der jetzigen Situation kam, hatte die Stadt Aschersleben versucht, mit Gegenmaßnahmen Schlimmeres zu verhindern", so die Pressesprecherin weiter. Angrenzende Bäume sind gefällt worden, damit herabfallendes Laub die Regenrinnen nicht verstopft. Eine Dachdeckerfirma hat zudem mehrfach Schnee vom Dach geschoben und letztlich wurde mit Schläuchen versucht, das Wasser abzuleiten. "All diese Maßnahmen zeigten leider nicht den gewünschten Erfolg", bedauert sie. "Unsere Kinder betrachten das als Abenteuer und wir wissen, wenn wir in unsere Schule zurückkehren, dann sind Eimer und Wischer nur noch zum Putzen da", erklärt Silvia Wollmann.
Mitteldeutsche Zeitung VON MARION POCKLITZ, 11.01.11