Der Braten läuft durch den Garten

Der Braten läuft durch den Garten

MZ-Weihnachtsaktion: Jutta und Achim Knoche aus Mehringen züchten jedes Jahr Gänse für das Fest

Gänse von Familie Knoche
Im Gänsemarsch durch den Garten von Jutta und Achim Knoche in Mehringen. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

ASCHERSLEBEN/MEHRINGEN/MZ. Schnatternd laufen die zehn Gänse - natürlich im Gänsemarsch - in Richtung Zaun. Der große dicke Ganter vorn weg, alle anderen in Reih und Glied hinterher. "Sie sind wie Wachhunde. Passen auf, wer vorbeigeht und fangen dann laut mit Schnattern an", erklärt Achim Knoche und zeigt auf die zehn prächtigen Tiere. Doch nicht mehr lange, dann kehrt auf dem großen Gartenstück in Mehringen die Stille ein. Denn die schnatternden Zweibeiner sind schon lange als Weihnachtsbraten eingeplant.


Seit vielen Jahren schon "päppeln" Achim und Jutta Knoche Gössel (junge Gänse) zu prächtigen Weihnachtsgänsen heran. "Wir haben es auch schon einmal mit einer Zucht probiert. Aber das ist sehr aufwendig. So bekommen wir die Tiere, wenn sie vier bis sechs Wochen alt sind", erzählt er weiter. Natürlich werde vorher in der Verwandtschaft und auch bei guten Freunden nachgefragt, wer Weihnachten wieder Appetit auf dieses traditionelle Essen hat. Meistens laufen bei Knoches dann etwa 15 Tiere durch den Garten.

"Seitdem wir einen Bauernhof besitzen, haben wir auch Gänse. So erspart man sich einen Rasenmäher", erklärt seine Frau. Und es werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: "Sie halten den Rasen kurz und wir haben einen Weihnachtsbraten", ergänzt ihr Mann mit einem Lächeln. Schon als Kinder gab es für die beiden den Gänsebraten am ersten Weihnachtsfeiertag. "Da hat sich eine Woche vor dem Fest die Familie in der Waschküche eingefunden. Es wurde der Kessel eingeheizt, Glühwein gekocht und dann haben die Frauen mit dem Rupfen angefangen. Die Männer waren für das Schlachten da", erinnert sich Jutta Knoche.

Auch heute hält die Mehringerin es noch so und rupft die Gänse mit der Hand. "Das ist besser. Gänse haben eine zarte Brust", so die Fachfrau. Zwischen fünf bis sieben Kilogramm wiegt eine Gans, wenn sie in die Pfanne soll. Knoches bekommen die Küken Anfang Juli. Dann haben sie etwa 500 Gramm Gewicht. "Sie kriegen viel frisches Wasser sowie Weizen und Hafer aus eigener Ernte. Eigentlich heißt es ja Hafermastgans. Doch unsere fressen viel lieber den Weizen. Der ist süßer. Um Küchenabfälle, wie zum Beispiel Salat, machen sie einen Bogen", verrät er. Dagegen haben Bäume, außer Tannen, bei ihnen keine Chance. Da schnattern sie immer dran.

"Letztens habe ich an das Lied ,Suse liebe Suse' denken müssen. Ich habe ihnen Stroh reingepackt gegen den Schlamm. Da waren die Köpfe nicht mehr zu sehen. Nur noch Geschnatter war zu hören", erzählt sie weiter. Gänse sind sehr saubere Tiere. Ständig müsse auch die Badestelle erneuert werden. "Einmal sind sie ausgebüxt und in unserem Pool gelandet. Da hatten sie ihre Freude. Es war nicht einfach, sie dort wieder herauszubekommen", lacht sie.

Nur eine Gans habe einmal die Weihnachtszeit überlebt. "Sie hatte etwas an ihrem Fuß und konnte nicht richtig laufen. Meine Eltern haben sie mitgenommen und gepflegt und gehegt. Sie ist dort im Garten herumgelaufen und hat diesen wie ein Wachhund verteidigt. Als die Weihnachtszeit heran war, konnte es keiner über das Herz bringen, das Tier zu schlachten. Sie ist dann später eines natürlichen Todes gestorben", erzählt sie.

Die eigene Weihnachtsgans wird von Jutta Knoche nicht nur eigens gerupft, sondern schon zwei Tage vor dem Braten eingelegt. Da wird sie gestopft mit Äpfeln, Rosinen, einer Bittermandel und einer Knoblauchzehe sowie Möhren und Sellerie. "Außerdem natürlich Salz und jede Menge Majoran. Das Gemüse wird zum Schluss in der Soße püriert. So spart man sich das Andicken", gibt sie als Tipp. Dazu gibt es Rotkohl und Rosenkohl. Und aus eigener Ernte Kartoffeln.

"Die Vorsuppe wird oft schon Heiligabend gegessen. Das ist die Brühe von Hals und Flittchen. Mit Gemüse und Eierstich verfeinert. Da können wir selten widerstehen", verrät sie. Und am Tag des Gänsebratens falle meist der Kaffee aus. Da wird lieber ein ausgiebiger Verdauungsspaziergang gemacht.

Mitteldeutsche Zeitung VON MARION POCKLITZ, 14.12.09

Zurück zur Übersicht