Ein Fass ohne Boden?

Die Schäden an der Grundschule in Mehringen sind weit größer, als ursprünglich angenommen. (FOTO: ARCHIV/GEHRMANN)
ASCHERSLEBEN/MEHRINGEN/MZ. Das Gutachten um die Schmelzwasserschäden an der Grundschule Mehringen wurde geschützt, wie ein Staatsgeheimnis. Schon seit Tagen lag es bei Steffen Schütze, Leiter des Amtes für Bildung und Sport der Ascherslebener Stadtverwaltung, auf dem Tisch. Nur sagen wollte er öffentlich nichts dazu: Es müsse erst ausgewertet werden, hieß es lapidar. Danach wurde es in der vergangenen Woche im nicht-öffentlichen Teil des Stadtentwicklungsausschusses vorgestellt. Und wieder gab es keine Informationen. Doch jetzt sickerten erste Details durch - und die haben es in sich. Denn die Sanierung des Gebäudes wird erheblich teurer, als ursprünglich geplant. Problem dabei: Das Geld hat die Stadt nicht.
Harter Winter gibt den Rest
Hintergrund für den kommunalpolitischen Sprengstoff ist die Schneeschmelze. Wasser war durch die undichte und schon seit langem sanierungsbedürftige Decke eingedrungen und hatte den Unterricht unmöglich gemacht. Zwar wurde im aktuellen Haushalt der Stadt 200 000 Euro für die Renovierung des Daches bereits bereitgestellt. Doch der harte Winter mit den riesigen Schneemengen gab der Schule den Rest: Laut des vorliegenden Gutachtens muss neben dem Dach auch die Elektroinstallation, die noch aus den Jahren der Erbauung stammt und durch das Wasser beschädigt wurde, komplett ausgetauscht werden. Auch die Außenwände, in die ebenfalls Wasser eingetreten ist, sind akut betroffen: Die Tapete kommt von den Wänden. Außerdem müssen die Decken, der Bodenbelag und die Fenster erneuert werden. Die Experten in der Stadtverwaltung rechnen inzwischen mit Kosten bis zu einer Million Euro.
Dass die Summe von der Stadt, die ein Schuldenberg von über 47 Millionen Euro drückt, allein gestemmt werden könnte, glauben nicht einmal Optimisten in der Verwaltung. Doch die Ascherslebener Verwaltung ist in der Zwickmühle: Schließlich hat sie bei der Eingemeindung von Mehringen im Jahr 2008 vertraglich zugesichert, die Grundschule zu erhalten und das Gebäude zu sanieren.
Und so werden derzeit "verschiedene Handlungsoptionen geprüft", wie es im schönsten beamtendeutsch aus dem Rathaus zu hören ist. "Das Thema ist Chefsache", sagen Insider. Unter anderem gab es schon einen Termin in Magdeburg bei der Landesregierung, um die Möglichkeiten einer weitergehenden Förderung abzuklopfen. Was passiert, wenn kein Geld vom Land kommt, ist völlig offen. Das böse Wort "Schließung" wagt zumindest derzeit noch niemand in den Mund zu nehmen.
Und so beruhigt der Mehringer Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind zunächst erst einmal die Gemüter: "Es läuft alles in ganz normalen Bahnen. Da hilft es nicht, wenn man ungeduldig ist. Erst wird ein Gutachten erstellt, dann muss das Geld bereitgestellt werden, dann kommen die Ausschreibungen und dann geht es erst los. Das sind ganz normale Abläufe. Jetzt Druck auszuüben bringt überhaupt nichts." Schneidewind vertraut der Ascherslebener Stadtverwaltung: "Im Gebietsänderungsvertrag ist vereinbart worden, den Schulstandort Mehringen zu erhalten. Daran zweifle ich nicht und auch nicht der Ortschaftsrat. Auch wenn es jetzt mit der Sanierung etwas länger dauern sollte."
Asyl über die Sommerferien hinaus
Auf jeden Fall müssen sich die Mehringer Kinder, die eigentlich nur bis zu den Sommerferien übergangsweise in der Ascherslebener Adam-Olearius-Schule unterrichtet werden sollten, darauf vorbereiten, dass das zeitlich begrenzte Asyl wohl verlängert werden muss. Froh sind sie darüber nicht: "Die Schüler haben, auch wenn sie in der Adam-Olearius-Schule sehr gut aufgenommen worden sind, Heimweh zu ihrer Schule und vor allem zum großen Schulhof", weiß Silvia Wollmann, Leiterin der Mehringer Grundschule.
Am Dienstag, dem 22. Februar, findet um 19 Uhr im
Feuerwehrgerätehaus in Mehringen eine öffentliche Schulelternratssitzung zur
Problematik statt.
Mitteldeutsche Zeitung VON MARION POCKLITZ UND LARS GEIPEL, 21.02.11