Flaschenpost aus den Vierzigern

Nach dem Abriss der Gebäude sollen auf der Freifläche Bäume und eine Hecke gepflanzt werden. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
MEHRINGEN/MZ. Die Arbeiter, die mit dem Abriss des alten Feuerwehrdepots im Ascherslebener Ortsteil Mehringen beschäftigt waren, staunten nicht schlecht, als sie in den vergangenen Tagen im Bauschutt auf eine alte Flasche stießen. Dabei handelt es sich umso etwas wie eine Flaschenpost aus den Vierzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Sozusagen ein Gruß der Erbauer an die Abrisskolonne und die Nachgeborenen.
In der Flasche, die inzwischen in der Mehringer Heimatstube ihren Platz gefunden habe, befinde sich eine Nachricht. In der sei unter anderem zu lesen, dass das Feuerwehrgebäude in Zeiten der Not gebaut werde, um in der Not helfen zu können, verriet Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind. Außerdem werde mitgeteilt, wer seinerzeit am Bau beteiligt, Gemeinderat und Gemeindevorsteher war. Neben der Flasche hatten die Erbauer auch noch eine Plakette mit dem Abbild von Friedrich Engels hinterlassen. Auch die ist jetzt in der Heimatstube zu sehen.
Ende November wurde in Mehringen mit dem Abriss des alten Feuerwehrdepots, der ehemaligen Gemeindeverwaltung und eines Carports begonnen. Die dadurch entstehende Freifläche wird zum Teil als Kiesfläche mit mehreren Pflanzgruben für Bäume entlang der Kreisstraße umgestaltet. Außerdem soll die gegenseitige Grundstücksgrenze mit einem Pflanzstreifen versehen werden. Die Anpflanzung der Hecken und Bäume soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, teilte die Ascherslebener Stadtverwaltung mit. Die Kosten für den Abriss betragen 38 600 Euro. Sie werden zu 75 Prozent vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt aus dem Förderprogramm "Dorferneuerung" gefördert. Den Rest zahlt die Stadt Aschersleben.
Das Gebäude der ehemaligen Gemeindeverwaltung stand inzwischen seit Jahren leer. Es war rissig und feucht, weiß Albrecht Schneidewind. Er konnte schon kurz nach der Wende nicht so recht verstehen, warum damals noch einmal Geld in eine eher notdürftige Sanierung gesteckt wurde. Mit dem jetzigen Abriss verschwinde letztendlich ein Schandfleck aus dem Gesicht des Ortsteils, und die Nachbarn auf der anderen Straßenseite kommen in den Genuss von Licht, Luft und Sonne, freut sich auch Schneidewind.
Die Abrissarbeiten sind noch bis zu ihrem Ende, spätestens bis Ende des Monats, mit einer halbseitigen Sperrung der Mehringer Kreisstraße verbunden.
Mitteldeutsche Zeitung VON HARALD VOPEL, 09.12.11