Improvisierter Alltag

Pause! Gespielt wird auch in Aschersleben, aber der alte Schulhof fehlt. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
ASCHERSLEBEN/MEHRINGEN/MZ. "Wir sind hier angekommen, aber nicht zu Hause", sagt Silvia Wollmann, Leiterin der Grundschule Mehringen. Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass die Mehringer mit Sack und Pack ihr Ausweichquartier im Ascherslebener Bestehornpark bezogen haben. Der Schulalltag - ein Alltag mit Hindernissen - läuft.
Dabei kommt es schon mal vor, dass sich in der "Zentrale" alles überschlägt. Lehrerzimmer, Sekretariat, Materiallager ist eins. "Es ist der schönste Raum im ganzen Gebäude, aber zu klein für die vielen Funktionen, die er erfüllen muss", räumt Wollmann ein. Da lässt sich auch nichts improvisieren. Anders in den Klassenzimmern. Wäscheleinen sind gespannt. Daran festgeklammert - Schülerzeichnungen. Andere Bilder stehen in den Fensterbrettern oder sind an Schautafeln geheftet. "Wir dürfen nichts an die Wände bringen, kein Loch bohren", erklärt Wollmann. Ausstellungen im Schulflur für länger als einen Tag - ein Tabu. In einer Schule mit kultureller Profilierung wird Präsentation aber großgeschrieben. Deshalb suchen die Mehringer gegenwärtig Hilfe im Ortsteil. Dann eben Ausstellungen außer Haus, vielleicht bei der Feuerwehr. Kleine Konzerte und Vorstellungen der Kinder abzusichern, helfen indes die Familien, indem sie immer wieder Chauffeur spielen. Ob dieser Unterstützung ist Wollmann auch sehr dankbar. "In allem Negativen steckt auch was Positives", drehen sie und ihre Kollegen sich tagtäglich, um das Bestmögliche für ihre Schüler rauszuholen. Das Sportfest fand halt auf der Herrenbreite statt. Und in Ermangelung von Räumen wie dem Lesezimmer und dem Forschungsraum, "nutzen wir nun mehr öffentliche Räume; die Bibliothek, die Kreativwerkstatt, die Zooschule...", zählt die Schulleiterin auf. In Sachen integrativem Unterricht arbeitet man eng mit der Kastanienschule zusammen. Und in den Kinderschuhen steckt eine Kooperation mit dem BBRZ. Es geht darum, hin und wieder die Holz- und Metallbauwerkstätten in der Lindenstraße unter Anleitung nutzen zu dürfen, und im Weiteren um frühkindliche Berufsorientierung. Allerdings "kommt die Zusammenarbeit mit der Mehringer Kindertagesstätte zu kurz, seit wir hier sind".
Weil der Schulgartenunterricht flachfällt, werden Blumenkästen bepflanzt. Und um den Heimat- und Sachkundeunterricht anschaulich zu gestalten, ist ein Ausflug zur Ökostation nach Neugattersleben geplant. "Sonst sind wir mit dem Jäger immer raus in die Feldflur gegangen", sagt Wollmann, denn das "Lernen im Grünen" ist Teil des Schulprogramms. Und wenn sie grün sagt, denkt sie auch an den Schulhof im Grünen, den die Schüler schmerzlich vermissen: "Unsere Schüler haben sich dort immer richtig ausgepowert." Das ist jetzt nur noch mit Einschränkungen möglich, trotz Park vor der Tür: "Im Winter dürfen wir nicht in den Irrgarten, im Frühjahr nicht auf den Rasen." Zum Ausgleich, und um die Kinder bei Laune zu halten, wurden Spieletonnen angeschafft.
"Rückblickend betrachtet, ist der Umzug in den Bestehornpark schon die optimale Lösung gewesen, um eigenständig zu bleiben", räumt Wollmann ein, doch "um unser Schulkonzept umzusetzen, ist nicht nur organisatorisches Geschick erforderlich, sondern auch Improvisationstalent."
Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 11.06.12, 20:31h