Laubsäge statt Füllfederhalter

Laubsäge statt Füllfederhalter

Grundschüler von Mehringen
Die Viertklässler waren stolz auf ihre Arbeiten. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

ASCHERSLEBEN/MZ. Es riecht nach Holz und frischer Farbe im Kompetenzzentrum des BBRZ (Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum) in der Lindenstraße. Normalerweise sind es über 16-Jährige, die sich hier ihr praktisches Rüstzeug für einen Holz- oder Metallberuf aneignen.



Am Donnerstag sind Viertklässler hier, haben Holzklötze in Schraubstöcke gespannt und bearbeiten sie voller Eifer mit Laubsägen. Die Jungen und Mädchen sind konzentriert bei der Sache. Und wenn es nicht weitergeht, sind Frank Krause und Anthony Würzburg zur Stelle. Die beiden Jungs sind im zweiten Lehrjahr und zeigen den kleinen Gästen in der Lehrwerkstatt den einen oder anderen Kniff.

Die Kinder sind Schüler der Grundschule Mehringen, die derzeit in der Adam-Olearius-Schule Aschersleben "Asyl" gefunden hat. Dort fehlt es an einem geeigneten Werkraum, und so wurde Anfang des Jahres die Idee geboren, das BBRZ zu nutzen. Inzwischen sind die Schüler schon einige Male in der Lindenstraße gewesen.

"Den Kindern macht das praktische Arbeiten großen Spaß, und auch von den Eltern hat es bisher nur positive Reaktionen gegeben", weiß Schulleiterin Sylvia Wollmann zu berichten. Einige Eltern kennen die Lehrwerkstatt noch aus ihrer eigenen Jugend, lacht sie. Um der Zusammenarbeit eine Grundlage zu geben, haben die Schulleiterin und BBRZ-Chef Klaus-Dieter Graul jetzt einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Mindestens zwei Projekttage pro Schuljahr werden die älteren Schüler jetzt also beim BBRZ absolvieren.

"Uns ist geholfen, weil wir die Lehrplananforderungen damit trotz der widrigen Umstände erfüllen. Und es ist schön zu sehen, wie sich auch das Zwischenmenschliche entwickelt", zeigt sie auf die Jugendlichen des BBRZ, die plötzlich nicht mehr Lernende sind, sondern ihr Wissen weitergeben können. "Für das Selbstwertgefühl unserer benachteiligten Jugendlichen ist das ganz wichtig. Denn damit sind sie meistens nicht gerade gesegnet", sagt Graul.

Er sieht die Kooperation auch als eine Art beruflicher Frühorientierung. "In diesem Alter lernen die Kinder noch spielerisch, sie entwickeln motorische Fähigkeiten und man kann sie wunderbar motivieren", sieht er Vorteile für beide Seiten.


Mitteldeutsche Zeitung VON KERSTIN BEIER, 14.11.12

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