Laute Hilfeschreie halten Nachwuchs-Retter in Atem
Jeder Handgriff muss sitzen, auch wenn es sich nur um eine Übung handelt.
MEHRINGEN/MZ. Freitagabend, kurz nach halb acht. Es ist ruhig in Mehringen, kaum was los auf den Straßen. Dann: Die Sirene heult los, verheißt nichts Gutes. In der Bahnhofstraße steigt dichter Rauch auf. Die Schule brennt. Drei Personen sind im Gebäude eingeschlossen. Fünf Minuten nach der Alarmierung rollen die Fahrzeuge der Feuerwehr mit Blaulicht und Tatütata vor.
Die Mädchen und Jungen, die hier zum Zuge kommen - es handelt sich nur um eine Übung - wissen genau: Es muss schnell gehen. Im Nu sind die Aufgaben verteilt, jeder weiß, wo er anpacken muss. Während ein Teil die Schlauchleitungen legt, setzt sich der andere die Atemschutzmasken auf und nimmt die paar Stufen zum Eingang. Dort angekommen, hört der Feuerwehrnachwuchs laute Hilfeschreie. Dicht am Boden, die Hand nicht vor Augen sehend, kämpfen sich die jungen Feuerwehrleute durchs Gebäude. Bis zu den Verletzten. Einen können sie noch auf sich gestützt ins Freie bringen. Den zweiten hieven sie auf der Trage nach draußen. Doch wo ist der Dritte? Die Orientierung fällt zunehmend schwerer. Auf ihr Rufe reagiert niemand mehr. Warum, wird ihnen gleich klar: Bewusstlos liegt er in einer Ecke. Schnell rauf mit ihm auf die Pritsche und raus. Auch die anderen sind mittlerweile fertig. Sie haben das Feuer, das die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr auf dem Schulhof gelegt haben, längst gelöscht. Von zwei Seiten. Einsatz erfolgreich beendet. Gute Arbeit geleistet.
Zum dritten Mal hatte die Mehringer Wehr ihre Jugendwehr zu einer zwölfstündigen Ausbildung von Freitag und Sonnabend in das Depot eingeladen. Mit dabei auch interessierte Jugendliche aus dem Ort. Für die Ausbildung hatte der Leiter der Jugendfeuerwehr, Martin Borg, mit seinen Kameraden dieses anspruchsvolle Programm vorbereitet.
Am nächsten Morgen wartete gleich eine weitere Überraschung auf die jungen Feuerwehrleute. Es ging zur Feuerwehr nach Hoym. Hier hatten die Hoymer Kameraden schon ihre Drehleiter in Stellung gebracht. Nach kurzer Begrüßung hieß es dann einsteigen zur luftigen Fahrt in 30 Meter Höhe. Wer wollte, der durfte an der Übungswand auch einmal kurz aussteigen. Für einige der Jüngsten war das mit Herzklopfen verbunden. Gefahren sind aber schließlich alle. Wer wollte schon als Angsthase gelten?
Nach der Rückkehr gab es ein zünftiges Mittagessen, bevor die nächste Überraschung auf die jungen Feuerwehrleute wartete. Dafür hatte der stellvertretende Jugendwart, Marcus Trimpert, eine Orientierungsstrecke mit fünf Stationen vorbereitet. Gestartet wurde in drei Gruppen. Da mussten u. a. ein Standrohr eingesetzt, wasserführende Armaturen an ein Löschfahrzeug angeschlossen und eine Notrufmeldung abgesetzt werden. Marcus Trimpert war mit den gezeigten Leistungen seiner Zöglinge zufrieden. Für Wehrleiter Axel Trimpert war es eine anspruchsvolle Übung, die von den Jugendlichen bestens gemeistert wurde. So auch vom 15-jährigen Lucas Fischer, der erst ein halbes Jahr in der Jugendwehr aktiv ist und dabei bleiben will, weil ihm die Kameradschaft der Jugendlichen und das Zeltlager gefallen.
Mitteldeutsche Zeitung VON HAJO MANN UND SUSANNE THON, 30.10.11, 16:34h