Lösch-Dinos schon bereit
MEHRINGEN/MZ. In 20 Jahren hat sich so einiges angesammelt. Urkunden und Pokale über Pokale. Die Schränke platzen aus allen Nähten. "Die Regale sind brechend voll", sagt Bernd Schewe, einst stellvertretender Jugendwart, heute stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Mehringen. Und ein bisschen Stolz schwingt in seiner Stimme mit, wenn er von der Jugendfeuerwehr spricht.
Wie auch in der von Wehrleiter Axel Trimpert. "Die Jugendlichen wollen nicht nur an Wettbewerben teilnehmen, sondern gewinnen", weiß Trimpert. Kaum eine Auszeichnung gibt es, die sie noch nicht abgestaubt haben. Erst kürzlich waren die Mehringer wieder erfolgreich: Beim Hallensportfest in Staßfurt räumten sie den ersten Platz ab. "Und das war nur der Anfang", kündigt Marcus Trimpert, stellvertrtender Jugendwart, verheißungsvoll an, "das Jahr hat schließlich erst angefangen."
Besonders ist es schon jetzt, 2012 ein Jubiläumsjahr für die Jugendfeuerwehr Mehringen, die im Mai 1992 - lange, nach dem Aus von Pionierbrandschutzgruppe und jungen Brandschutzhelfern - gegründet wurde. Auf Drängen von Jugendlichen, die sich in ihrer "Not" an den damaligen Wehrleiter Achim Milius wandten. Und Herbert Müschen entpuppte sich als Retter in der Not. Er kam zu dieser Zeit gerade aus den alten Bundesländern nach Mehringen, trat der Feuerwehr bei und erklärte sich spontan bereit, die Jugendlichen - gleich 18 auf einen Schlag - unter seine Fittiche zu nehmen. "Wir sind ihm da noch heute dankbar", meint Axel Trimpert, "wer weiß, wie es sonst gekommen wäre."
Müschen, der in seiner Funktion bald von Schewe unterstützt wurde, brachte dem Feuerwehrnachwuchs aber nicht nur Grundlegendes bei; er knüpfte auch die Kontakte zu seiner alten Heimat. Entstanden sind Partnerschaften zu den Jugendfeuerwehren Elze und Berkhof, die bis heute bestehen. "Regelmäßig treffen wir uns zu Zeltlagern - mal bei ihnen, mal bei uns oder in Neustadt bei Hannover", erzählt der heutige Jugendwart Martin Bork. Dort schlagen alle paar Jahre um die 1 000 Mädchen und Jungen aus den niedersächsischen Jugendfeuerwehren ihre Zelte auf. "Durch unsere Kontakte sind wir da damals mit reingerutscht", erinnert sich Schewe.
Unvergessen bleibt auch die Reise mit dem damals schon in die Jahre gekommenen B 1000 nach Neustadt: "Mitten auf der Wiese haben wir dort die Kupplung gewechselt." Später hat es der Barkas nur noch "maximal bis Aschersleben geschafft". Erst mit dem neuen Mannschaftstransportfahrzeug waren wieder längere Fahrten drin - wie nach Bad Sachsa zum Schwimmen oder Schlittschuhlaufen. Gemeinsame Unternehmungen - Kino, Sport und Spieleabende - sind neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung wichtig, schweißen zusammen. Das ist heute so wie vor 20 Jahren.
An der Ausbildung selbst und den Aufgaben, die die Jugend im Ort übernimmt - Weihnachtsbäume sammeln, Fackelumzug begleiten... - hat sich in der Zeit nicht viel verändert. Klar, die Technik ist eine andere, moderner und teils leichter zu handhaben. In den Wintermonaten wird die Theorie gepaukt, Fahrzeuggerätekunde steht da unter anderem auf dem Ausbildungsplan.
Kommt das Frühjahr, geht's an die praktische Ausbildung, einher mit dem Training für die Wettbewerbe. Aber wenn's "brennt", dann lassen die Jugendlichen alles liegen, Ausbildung Ausbildung und Spieleabend Spieleabend sein - so wie es sein muss. So auch nach dem 11. September, als eine Schlammlawine die Drohndorfer Straße überrollte. "Wir haben die aktiven Kameraden unterstützt, indem wir die Gerätschaften geschrubbt haben", so Bork. Schließlich fühle man sich zugehörig. Zugehörigkeit, die auch durch gemeinsame Aktivitäten von Jung und Alt gestärkt wird.
Gegenwärtig gehören fünf Mädchen und sechs Jungs zur Jugendfeuerwehr. Und auch für Nachwuchs ist gesorgt, seit es die Löschdinos - zur Zeit 15 Kinder - gibt. "In der Jugendfeuerwehr kann man erst ab zehn Jahren mitmachen", erklärt Trimpert, "da aber haben sich viele schon ein anderes Hobby gesucht." Vor diesem Hintergrund habe man die Kinderfeuerwehr gegründet, von der nun ein nahtloser Übergang zur Jugendfeuerwehr möglich ist.
Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 20.05.12, 19:07h