Schriftstellernachwuchs in Mehringen - Schülerinnen erscheinen in Anthologie
Clara und Weda blättern in der Anthologie. (BILD: Frank Gehrmann) 
Geschichten der Schülerinnen Clara Opel und Weda Weber aus der Grundschule Mehringen wurden jetzt in einer Anthologie veröffentlicht. Der Band entstand im Ergebnis des letztjährigen Bödecker-Schreibaufrufes „Unzensiert und unfrisiert“, an dem sich 3 900 Schüler aller Altersstufen beteiligten.
Mehringen/MZ.
Ein frisch gedrucktes Buch in der Hand zu halten, ist schon ein besonderer Moment. Wenn dann noch zwischen den Buchdeckeln ein eigener Text gepresst ist, entfaltet sich ein Hochgefühl. „Wenn die Erde Worte hätte“... ,so heißt die am 23. April, pünktlich zum „Welttag des Buches“ erschienene Anthologie, bei deren Weltpremiere Weda Weber und Clara Opel von der Grundschule Mehringen dabei waren. „Unsere Eltern und die Klassenlehrerin, Frau Henneberg, waren auch dabei“, fügen die Mädchen aus der 4. Klasse an. Das Programm zur Buchpremiere gestalteten an diesem ehrwürdigen Ort Studierende des Instituts für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Die Einladung nach Halle in die Franckeschen Stiftungen kam vom Friedrich-Bödecker-Kreis Sachsen-Anhalt, denn zwei selbstverfasste Texte von ihnen sind in jenem Buch zu lesen. Der Band entstand im Ergebnis des letztjährigen Bödecker-Schreibaufrufes „Unzensiert und unfrisiert“, an dem sich 3 900 Schüler aller Altersstufen beteiligten. Da könnten die Schülerinnen es schon als Ehre ansehen, unter den 200 Ausgewählten zu sein, sagt Erdmute Henneberg. „Ich bin stolz auf meine Schüler und die Klasse. Schließlich haben es auch Tabea Dudziak und Luise Meier unter die Besten im Schreibwettbewerb des Salzlandkreises geschafft.“ Deren Arbeiten kann man unterdessen in der Broschüre „Meine Fantasie trägt mich in ferne Welten“ lesen.
Der Friedrich-Bödecker-Kreis in Sachsen-Anhalt lobt die hohe Qualität der veröffentlichten Arbeiten. „Manche der Schreibenden gewähren sogar Einblicke in ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen. Persönliche Erfahrungen werden zu Texten, die nicht nur den Alltag der Kinder und Jugendlichen widerspiegeln, sondern gleichzeitig ein Stück aktueller Zeit-Geschichte. Auch ihrer Fantasie lassen die jungen Autorinnen und Autoren gern freien Lauf, erfreuen sich an Wortspielen und experimentieren mit sprachlichen Wendungen. So entdecken sie die faszinierende Welt des Schreibens und erwarten neugierig die Reaktionen ihrer Leser.“
Weda Weber, wie Clara Opel zehn Jahre alt, nannte ihr daheim entstandenes Werk „Ein modernes Märchen“, während ihre Klassenkameradin über ihren Text das Motto „Wie Freundschaft Grenzen überwindet“ stellt.
Claras Arbeit entstand in der Ascherslebener Schreibwerkstatt. Sie betont jedoch, dass sie später eigentlich eher Designerin als jemand Schreibendes werden wolle. Erst einmal wechselt sie nach diesem Schuljahr an die Albert-Schweitzer-Schule, während Weda zum Gymnasium gehen wird.
Die beiden Mädchen schreiben nicht nur, sondern greifen selbst öfter mal zum Buch oder zu einer Zeitschrift.
Während Weda Weber derzeit „Tierfreunde“ favorisiert, schmökert Clara Opel mal in einem „klassischen“ Buch oder im aktuellen e-book. Erdmute Henneberg blickt etwas wehmütig auf ihre Schüler, die gerade ein Trommel-Projekt vorbereiten. „Das ist meine letzte vierte Klasse. In einem Jahr gehe ich in den Ruhestand. Aber das ist eine prima Klasse, da bin nicht nur ich stolz, sondern die ganze Schule. Denn bis in die landesweite Anthologie des Bödecker-Kreises hat es bei uns noch niemand geschafft. Und dann gleich im Doppelpack aus meiner Klasse.“
Mitteldeutsche Zeitung vom 29.04.2014 18:56 Uhr