Stolpersteine bei der Förderung

Stolpersteine bei der Förderung

Innenhöfe der Mehringer Grundschule
Auch die Umgestaltung der Innenhöfe in der Mehringer Grundschule ist in der Planung mit enthalten. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

ASCHERSLEBEN/MZ
. "Die letzten Monate waren ein Auf und Ab der Gefühle. Doch endlich schauen wir etwas optimistischer in die Zukunft." Silvia Wollmann, Leiterin der Mehringer Grundschule, zeigt bei diesen Worten auf den dicken, vor ihr liegenden Ordner. Darin liegt der Fördermittelantrag für die Sanierung der Mehringer Grundschule. Es ist eine Kopie, denn das Original ist bereits an die Landesverwaltung geschickt worden. Seit über einem Jahr ist die Schule zu "Gast" in der "Adam-Olearius-Schule" im Ascherslebener Bestehornpark.



Schmelzwasser war vor gut einem Jahr durch das undichte Dach in Strömen geflossen und hat so den Unterricht unmöglich gemacht. Die damals 72 Mädchen und Jungen mussten ausquartiert werden. "Im Dezember 2010 haben wir noch unseren 40. Schulgeburtstag gefeiert. Danach ging das Chaos los", blickt sie zurück. Hilfe habe die Schule damals schnell bekommen. Erst waren die Schüler in der Grundschule Pfeilergraben untergebracht, danach dann in der "Adam-Olearius-Schule". "Die Stadt hat sehr schnell reagiert. Innerhalb nur einer Woche wurden die Unterrichtsräume vorbereitet und auch die Schulmöbel aus Mehringen geholt", erzählt sie weiter. Und dann ging es mit den Gefühlen so richtig bergab. Erst musste eine Entscheidung getroffen werden, ob das Schulgebäude zu sanieren gehe oder ob man lieber neu baue. Beide Varianten wurde abwechselnd favorisiert. "Und nebenher muss man immer wieder den Eltern und auch den Menschen in unserem Dorf erklären, wie es mit der Schule weitergeht. Das Thema Schule ist dort nach wie vor vordergründig. Doch die Mühlen mahlen nun mal nicht so schnell. Jeder Antrag braucht seine Zeit. Doch am 2. Januar hat der Oberbürgermeister den Fördermittelantrag unterschrieben. Jetzt heißt es erneut warten, ob es von der Landesverwaltung eine Zusage gegeben wird", so Silvia Wollmann weiter.

Hinter diesem Antrag stecke jede Menge Arbeit. "Wir haben als Team, mit der Stadt und auch mit den Eltern gemeinsam an einem Konzept gearbeitet. Entstanden ist ein neues Objekt im gewohnten Umfeld mit niveauvollem Ambiente", ist die Schulleiterin stolz. Alle Räume bleiben erhalten und werden modern, praktisch und ansprechend sein. Außerdem werde es begehbare Innenhöfe von den Klassenräumen aus geben, in denen zum Beispiel ein Theater seinen Platz finden könnte. Geplant sind auch eine Kinderküche, ein Werken-, Computer- und Leseraum sowie eine Aula. Doch das alles seien noch Zukunftsvisionen. Ob das neue Schuljahr in der sanierten Schule beginnen könnte, das kann die Schulleiterin nicht beantworten. "Da kann man nur hoffen. Aber Behördengänge dauern lange. Ist der Bescheid positiv, dann gibt es erst Ausschreibungen, bevor überhaupt Bauleute von der Schule Besitz ergreifen können. Ein Vorteil ist, dass ihnen keine Schüler bei der Sanierung im Wege sind", so Silvia Wollmann.

"Die Stadt hat den Fördermittelantrag gemeinsam mit der Schule erarbeitet und an das Kultusministerium geschickt, obwohl noch kein Fördermittelprogramm vonseiten des Landes aufgelegt war", erklärt Stadtpressesprecherin Anke Marks. Aschersleben habe damit dem Kultusministerium anzeigen wollen, dass es einen Investitionsstau gibt und das Schulbauprogramm dringend benötigt wird. Schließlich sei es seit der letzten Wahl immer wieder versprochen worden. Zum Beispiel in dem Werbeslogan der SPD: "Wir streichen nicht eine Schule, sondern alle". "Der Fördermittelantrag kam allerdings nach einigen Wochen vom Kultusministerium mit dem Hinweis zurück, dass das Ministerium nicht zuständig ist, sondern das Finanzministerium. Dieses erarbeitet zurzeit die Richtlinien für das Schulbauprogramm. Wenn diese bekannt sind, soll der Antrag noch einmal angepasst und neu gestellt werden", so die Pressesprecherin.

Zwei mögliche Stolpersteine könne es allerdings noch geben. "Zum einen beabsichtigt das Land, die Förderung an einen langfristigen Bestandsnachweis zu binden. So soll der Nachweis gefordert werden, dass die Schule bis zum Jahr 2030 Bestand hat", so Anke Marks. Und zum Zweiten befinde sich die Stadt in der Haushaltskonsolidierungsphase, in der es entscheidend ist, wie hoch die Förderung oder wie hoch der Eigenanteil der Stadt ist. Bisher ist von einer Förderquote von 70:30 (Land:Kommune) die Rede. Sollte die Förderquote geringer ausfallen oder sind bestimmte Kosten nicht förderfähig, könnte der Eigenanteil ungleich höher sein. "Die grobe Kostenschätzung für den Neubau beläuft sich auf 1,7 Million Euro", so Anke Marks.

Das heißt also abwarten. "Wir sind in Aschersleben gut aufgenommen worden. Die Schüler haben hier sehr viel Platz und zum Lernen helle und moderne Unterrichtsräume", findet sie. Doch was man vermisse, sei das Zusammengehörigkeitsgefühl, was man auf einem Dorf nun mal habe. "Die Senioren zum Beispiel vermissen die Kinder. Oft waren wir zum Geburtstag des Monats dort. Jetzt geht das nur mit großem Aufwand und mit Hilfe der Eltern zu realisieren. Die Schule ist in einem kleinen Ort ein Kommunikationszentrum. Doch wir möchten auf keinen Fall undankbar sein. Die Stadt hat sehr viel für uns getan. Unsere Schüler fahren zum Beispiel mit einem eigenen Schulbus", sagt die Schulleiterin.

Mitteldeutsche Zeitung VON MARION POCKLITZ, 17.02.12, 18:27h

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