Trainer Tietzel verlässt FSV Drohndorf/Mehringen
Das Aus nach zwei Jahren: Enrico Tietzel hat das Handtuch geworfen. (FOTO: MZ)
ASCHERSLEBEN/MZ. Auf der Internetseite des FSV Drohndorf-Mehringen prangt als Überschrift ein Spruch. "Eine Mannschaft ist immer so gut wie die Stimmung auf der Bank und die Stimmung im Umfeld." Verfasst hat den Satz Enrico Tietzel. Es ist sein Leitbild, prägt seine Arbeit. Irgendetwas davon aber muss ihm beim Salzlandligisten abhanden gekommen sein. Seit Mittwoch dieser Woche ist Enrico Tietzel nicht mehr Trainer des FSV Drohndorf / Mehringen.
"Es hat uns nicht überrascht", sagt Präsident Norbert Schwab über den Rücktritt des 40-jährigen Tietzel, der seit zwei Jahren das Ruder beim FSV in der Hand hielt und den Verein in der Saison 2011 / 12 auf Rang sechs der höchsten Spielklasse im Kreis führte. "Enrico hat seit geraumer Zeit über einen möglichen Abschied gesprochen", ergänzt Schwab, "der Zeitpunkt überrascht uns aber doch etwas." Nach einem 2:0-Auftakterfolg am 1. Spieltag gegen Baalberge unterlag Drohndorf / Mehringen danach in Rathmannsdorf und spielte seitdem sieben Mal in Folge unentschieden. Negativer ausgedrückt: Der FSV ist seit acht Spielen ohne Sieg. Zehn Punkte bedeuten aktuell Rang zehn. "Im letzten Jahr hatten wir mehr Zug im Team", hat Norbert Schwab als einen der Gründe für die Entwicklung der vergangenen Wochen ausgemacht, "doch wenn in so einem kleinen Kader wie unserem drei, vier Leistungsträger ausfallen, dann ist das eben nicht mehr kompensierbar." Der Vorstand habe laut Schwab immer wieder versucht, auf die Spieler einzuwirken, sie zu besserer Beteiligung an Spielen und Trainingseinheiten zu bewegen, doch dies habe nicht geholfen.
Für Enrico Tietzel gab dies letztendlich den Ausschlag für den Rücktritt. "Ich lebe und atme Fußball, gebe immer einhundert Prozent und erwarte im Gegenzug auch einhundert Prozent", kritisiert er die Einstellung einiger seiner Spieler. Es habe viele lapidare Ausreden zur Erklärung von Nichterscheinen gegeben, "die ich einfach so nicht akzeptiere." Teilweise hätten im Abschlusstraining nur vier Spieler zur Verfügung gestanden. "Dann trittst du als Trainer einfach auf der Stelle", sagt Tietzel.
Dass der FSV, ein reiner Freizeitsportverein, so wie für ihn selbst ("Ich arbeite ohne Aufwandsentschädigung") auch für Spieler kein Geld ausgebe, akzeptiert Tietzel grundsätzlich. "Doch wie soll man langfristig ein Team formen, das so klein ist, dass es keinen Konkurrenzdruck gibt? Irgendwann muss der Verein auch einmal in die Mannschaft investieren." Eine Möglichkeit wäre laut Tietzel auch der eigene Nachwuchs. Der 40-Jährige hatte vor einigen Jahren eine Bambini-Mannschaft aufgebaut, die mittlerweile im E-Juniorenbereich über 16 Spieler verfügt. "Der Verein muss den Nachwuchs endlich wieder als seine Hauptaufgabe begreifen und sich nicht nur der Momentaufnahme der Männermannschaft widmen." Tietzel sagt, er habe vieles in diesem Bereich versucht anzuschieben, Konzepte vorgelegt. "Aber wenn es nicht auf fruchtbaren Boden fällt, dann geht einem die Luft aus." Dann trage es dazu bei, dass der Akku leer werde. So wie es Enrico Tietzel nun empfindet. Norbert Schwab aber kontert diesen Vorwurf. "Mehr als wir bisher im Nachwuchs machen, ist in einem kleinen Ort einfach nicht realisierbar."
Nur in einem sind sich Schwab und Tietzel einig: Im Salzlandligist steckt Potenzial. "Von Platz 1 bis 7 könnte man alles erreichen, wenn jeder auf und neben dem Platz mitzieht", sagt Tietzel. Genau das aber scheint beim FSV einfach nicht mehr der Fall zu sein.
Mitteldeutsche Zeitung VON THOMAS SCHAARSCHMIDT, 01.11.12