Tuckernd durchs Dorf

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Erntedankfest in Mehringen - Junger Traktorist
Spaß auf einem alten Traktor. (FOTO: MZ)

MEHRINGEN/MZ
. Anmeldungen? "Sowas gibt's bei uns nicht", lacht Reinhard Winkler vom Kultur- und Heimatverein Mehringen. Wer kommt, ist da. Und so steht zu Beginn des traditionellen Umzuges auch nicht mehr fest, als dass der Zug lang ist, verdammt lang. Später wird sich herausstellen, dass es der größte Umzug ist, den die Mehringer seit Jahren gesehen haben - mit 80 bis 90 Bildern. Während die letzten Trecker noch vom Sammelplatz am Ortseingang tuckern, sind die Landfrauen fast auf der Festinsel angekommen. Dort haben die Mehringer am vergangenen Wochenende Erntedankfest gefeiert.



Schon am Sonnabend versammelten sich etliche Mehringer auf dem angrenzenden Acker. Dort fand das traditionelle Schaupflügen statt (mit mobiler Ernteversorgung, versteht sich). "Das machen wir, um zu zeigen, wie früher gearbeitet wurde", erklärt Winkler, der mit seinem 45er Lanz Bulldog, an dem ein Zweischar-Beetpflug hängt, gerade vom Acker kommt. Er weiß, worauf's beim Pflügen ankommt: Nur ein gleichmäßiges Pflugbild ist ein sauberes Saatbett. Doch um Perfektion soll es gar nicht gehen. Nicht umsonst ist das Schau- ein Schau- und kein Leistungspflügen. "Hier kann sich jeder austoben, auch wer nicht perfekt pflügen kann", meint Winkler. Und nicht zuletzt dient das Schaupflügen dazu, die gehegten und gepflegten PS-starken Schätze zur Schau zu stellen: "Jeder will doch zeigen, was er über Winter gebastelt hat", grinst Winkler. Er selbst hat auch "gebastelt". Auf dem Festplatz nebenan steht seit zwei Tagen ein überdimensionaler Traktor - aus sechs riesigen Strohballen. "Die Kinder sind da immer ganz wild drauf", erzählt er und rückt die Räder wieder zurecht. "Die müssen weiter vor." Anscheinend hat da schon jemand probegetobt. Am Dienstagabend, sagt er, wenn die Mädchen und Jungen ihrem Spieltrieb freien Lauf gelassen haben, wird vom Trecker nicht viel mehr übrig sein, als ein Haufen Stroh. Am Abend steigt der Countryball mit den Village Boys. Kurzer Blick in die mit Obst, Gemüse, Kürbissen, Zierkürbissen, Blumen und Stroh herbstlich dekorierte Festhalle: Kerstin Webel, die Floristin aus dem Ort, hat ganze Arbeit geleistet. Mehr Country geht nicht. Gefeiert und getanzt wird bis in die Morgenstunden.

Zeit zum Verschnaufen ist nicht, das Programm für den Sonntag prall gefüllt. Mit der Karawane aus Treckern und Pferdegespannen zieht halb Mehringen zur Insel. Dort wird die alte Landtechnik, die etliche Mehringer auf Fotos und im Video festgehalten haben, vorgestellt - nicht nur für Technikbegeisterte ist das interessant. Auch sonst wurde groß aufgefahren. Einen Bauernmarkt gibt's, die Kleintierzüchter aus Drohndorf und Mehringen stellen ihre Zuchterfolge aus, Kettensägen- und Gemüseschnitzer zeigen ihre Kunst... Kurzum: Langweilig ist niemanden. Und die Vereinsmitglieder? Sie klopfen sich zufrieden auf die Schulter und stürzen sich in neue Vorbereitungen, denn nach dem Fest ist vor dem Fest.

Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 30.09.12

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