Zeit wird für Betroffene knapp
An der Wipper in Mehringen wird derzeit am Hochwasserschutz gearbeitet. Maßnahmen zur Eindämmung des Grundwassers sollen folgen. (FOTO: GEHRMANN)
MEHRINGEN/MZ. Den Mehringern - aber nicht nur denen - sitzt die Zeit im Nacken. Sie werden langsam, aber sicher ungeduldig. Der Grundwasserpegel in und um den Ascherslebener Ortsteil Mehringen sei in den vergangenen Wochen zwar um rund 30 Zentimeter gefallen, was das Problem aber nur unwesentlich entschärfe, erklärte Karin Herdam vom Tiefbauamt der Stadt. Sie informierte am Dienstagabend während der jüngsten Sitzung des Mehringer Ortschaftsrates über geplante Maßnahmen, mit denen aus Sicht der Stadt der Grundwasserproblematik speziell in Mehringen beizukommen wäre.
16 Maßnahmen zur Eindämmung der Grundwasserproblematik habe die Verwaltung für das gesamte Ascherslebener Stadtgebiet einer vom Land Sachsen-Anhalt initiierten Arbeitsgruppe zugearbeitet, so Herdam. Für den Salzlandkreis umfasse der Maßnahmenkatalog sogar zehn Seiten. Knackpunkt dabei - die eigentlich notwendigen Arbeiten kosten Geld. Das Land hat zwar angekündigt, per Nachtragshaushalt 30 Millionen Euro bereitzustellen, über die Verteilung werde aber erst im kommenden Frühjahr entschieden, wollte der SPD-Landtagsabgeordnete Bernward Rothe wissen, der am Dienstag der Ortschaftsratssitzung beiwohnte.
Schon bevor Rothe das sagte, hatte sich im gut von Bürgern besuchten Saal des Feuerwehrdepots längst die Stimmung breitgemacht, dass man es überdrüssig sei, immer nur zu hören, was warum nicht gehe. Vielmehr wollen die Mehringer wissen, wie ihnen geholfen werden kann. Und das möglichst schnell, wie es die vom Grundwasser betroffene Regina v. Zweydorff fordert.
Karin Herdam nannte für Mehringen fünf Schwerpunkte im Kampf gegen das bedrohliche Grundwasser. Lediglich mittelfristig sei der Bau eines Regenrückhaltebeckens bei Wippra realisierbar. Mit dem Baubeginn könne frühestens 2013 / 14 gerechnet werden. Außerdem sollen die über Jahrzehnte angefallenen Sedimentablagerungen in der Wipper beseitigt werden. Dazu müsse der Fluss um rund einen halben Meter - stellenweise sogar mehr - ausgebaggert werden. Ein entsprechender Antrag wurde an das Land gestellt - eine Antwort stehe immer noch aus, so Herdam.
Zeitlich konkreter ist das Vorhaben der Stadt, im Winter zunächst eine Grundräumung der Wipper und mehrerer Flutgräben vorzunehmen. Als einen Grund unter mehreren für deren Vernachlässigung in den vergangenen zwanzig Jahren, hat Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind auch übertriebene Naturschutzgründe ausgemacht. "Wenn in diesem Zusammenhang der Schutz von Fischen über das Wohl der Mehringer gestellt wird, dann ist das einfach nur krank", so Schneidewind, dem dafür allseits zustimmend applaudiert wurde.
Anfang November soll damit begonnen werden, die Gosse entlang der Kreisstraße zu beseitigen und durch einen tiefer gelegten Abfluss zu ersetzen. Damit könne das Oberflächenwasser besser und schneller abgeleitet werden. Und bereits in den nächsten Tagen werde mit der Verlegung einer Stromzufuhr und dann mit der Einrichtung eines Stromverteilers am Borntal-Siel, wo es in der Vergangenheit immer wieder zu einem Rückstau des Wassers gekommen war, begonnen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass im Bedarfsfall an dieser Stelle das Wasser per Elektropumpe problemlos in die Wipper abgeleitet werden kann.
Mitteldeutsche Zeitung VON HARALD VOPEL, 12.10.11